"KI: Keine Magie, nur mathematische Berechnungen“
Wie arbeitet ein Doktorand für KI mit dem ITZBund zusammen?
Ein Gespräch mit Aleksandr Perevalov, Doktorand und Forschungsassistent für Informatik- und Data Science beim ITZBund über seine aktuellen Herausforderungen im Bereich der KI in der digitalen Verwaltung.
16. Dezember 2021
Ein Gespräch mit Aleksandr Perevalov, dem ersten KI-Doktoranden im ITZBund.
Herr Perevalov, erzählen Sie doch zu Beginn etwas über sich.
Mein Name ist Aleksandr Perevalov und ich bin 25 Jahre alt. Derzeit bin ich Doktorand und Forschungsassistent für Informatik- und Data Science in dem Forschungsgebiet „Question Answering & Chatbots“. Meine Ausbildung habe ich in meiner Heimatstadt Perm in Russland begonnen. Hier habe ich meinen Bachelor-Abschluss gemacht und anschließend mein Masterstudium begonnen. Während dieser Zeit habe ich ein Doppelstudium in Deutschland absolviert, das ich mit zwei Master-Diplomen in Informatik und Data Science abgeschlossen habe. Danach habe ich meine Doktorandenlaufbahn in Deutschland an der Hochschule Anhalt gestartet – das ist im Grunde meine Kurzbiographie.
Und wie reiht sich das ITZBund in Ihre Vita ein?
Die Zusammenarbeit mit dem ITZBund startete im letzten Jahr. Mein Doktorvater Prof. Andreas Both und ich forderten unsere Studierenden mit Projekten aus dem „echten Leben“. Eines dieser Projekte stellten das Bundesministerium des Innern (BMI) und das ITZBund. Und so entwickelten wir einen datengesteuerten Chatbot, der Fragen zu Covid -19 auf Datenbasis des Robert Koch-Instituts (RKI) beantwortet. Die Ergebnisse waren so erfolgreich, dass wir diese Zusammenarbeit in Form eines Forschungsprojekts fortsetzten.
Künstliche Intelligenz in Chatbots
Wie können wir uns Ihr Vorgehen bei der Entwicklung solcher Chatbots vorstellen?
Ich komme von einer Universität der angewandten Wissenschaft, daher liegt der Fokus unserer Arbeit auf der Anwendung realer Szenarien. Bei einem Chatbot zum Beispiel suchen wir nach einem Algorithmus, der die Absicht von Nutzenden erkennt. Wir entwickeln meist mehrere Lösungen und evaluieren sie. Danach sehen wir, welcher der beste Algorithmus ist - das ist eine typische Forschungsmethodik. Erst dann kommt er in der Produktion zum Einsatz. Das Interessante dabei: Einige dieser Algorithmen können wirklich simulieren, wie ein Mensch denkt oder Entscheidungen trifft. Es klingt wie Magie, aber eigentlich finden hier nur mathematische Berechnungen statt.
Und wie kann ihre Arbeit dem ITZBund und der Bundesverwaltung nützen?
Konkret entwickle ich eine Komponente von Dialogsystemen, die bestimmt, welche Art von Antworten Nutzende erfahren möchten. Das macht Auskünfte mittels Chatbots zugänglicher und erhöht ihre Qualität. Das wiederum vereinfacht die Kommunikation. Dieses Ziel hat auch das ITZBund, weshalb wir gemeinsam nach sinnvollen Verfahren und Lösungen suchen. Etwa der zuvor erwähnte Corona-Bot. Dieser kam im ITZBund tatsächlich zum Einsatz und hat den Zugang zu komplizierten statistischen Daten, die im Grunde jeden Menschen heutzutage interessieren, vereinfacht.
„Die Zusammenarbeit mit dem ITZBund ist eine perfekte Gelegenheit, unser Wissen so anzuwenden, dass wir Menschen helfen können.“
Aleksandr Perevalov, Doktorand der Hochschule Anhalt
Wie können KI-Anwendungen die Bundesverwaltung bereichern?
Was glauben Sie, warum ist KI für das ITZBund und die Bundesverwaltung ein wichtiges Thema?
Im Alltag kommen die meisten Menschen immer häufiger mit intelligenten Systemen in Berührung. Anders als in anderen Ländern, stehen wir In Deutschland eher am Anfang, diese Tools in den Alltag zu integrieren. Ich bin jedoch sicher, dass noch viele weitere intelligente Systeme in unser Leben treten werden und viele allgemeine Routineaufgaben von KI-Algorithmen erledigt werden können. Das gilt auch für das ITZBund und die Bundesverwaltung: Viele Anfragen können mit Hilfe von Algorithmen bearbeitet werden und diese Algorithmen können die Zeit der Mitarbeitenden in der Verwaltung für wichtigere Aufgaben freimachen, indem Betriebsroutinen automatisiert werden.
Haben Sie ein Beispiel, wie so eine Automatisierung in der Verwaltung umgesetzt werden könnte?
Ich denke, eine wirklich gute Anwendung einer solchen Methode in der deutschen Verwaltung könnte folgendes Beispiel sein: Ich bemerke als Anwohner, dass eine Straße in der Nähe meines Hauses wirklich schlecht aussieht und repariert werden muss. Praktisch wäre es, wenn es eine Art Service gäbe, an den ich meine Beobachtung schreiben kann und diese wird dann automatisch an die richtige Abteilung weitergeleitet. Mit Hilfe eines KI-Algorithmus kann dieser Prozess automatisiert werden und ich als Anwohner muss nicht darüber nachdenken, welche Behörde dafür zuständig und der richtige Ansprechpartner ist. Das weiß und entscheidet der Algorithmus; so spare ich Zeit und die Mitarbeitenden der Behörde ebenfalls.
Das klingt bei Ihnen alles so selbstverständlich, dass man sich fragt, warum diese Technologien nicht längst integriert sind. Welche Hürden müssen Sie, Ihre Kolleg:innen und die Expert:innen im ITZBund noch überwinden?
Die größte Herausforderung für KI in der Behörde ist natürlich die Sicherheit dieser Algorithmen. Sie müssen transparent und erklärbar sein. Denn wenn wir über die Kommunikation zwischen Algorithmen und Menschen sprechen, dürfen wir keine Fehler machen. Wir müssen nachverfolgen, was hinter diesen Algorithmen passiert. Deshalb legen wir in unseren Forschungsarbeiten darauf ein besonderes Augenmerk und integrieren beispielsweise weitere Technologien, wie beispielsweise zusätzliche Semantik über Wissensgraphen (Knowledge Graphs). Ein weitere wichtiger Punkt ist die Datenverfügbarkeit, das ist natürlich auch eine große Herausforderung.
Wir bedanken uns herzlich bei Aleksandr Perevalov für das Gespräch und den Ausflug in die Welt der Künstlichen Intelligenz.
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